Der Exklusivitäts-Effekt

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Bist du schon Clubmitglied?

Du wirst dich jetzt zu recht fragen, von welchem Club hier die Rede ist. Es geht um den angesagtesten Club des  frühen Jahrs 2021: Clubhouse

Clubhouse ist eine Audio-only-App, bei der du ähnlich wie bei einem Podcast Gesprächen zuhören kannst oder dich sogar aktiv an Diskussionen beteiligen kannst. Hier gibt es keine Kommentare, Likes oder angeschaltete Kamera und der Clou um den Hype: Wer mitmachen möchte, der benötigt eine Einladung.

Stand jetzt hat die Plattform registrierte Nutzer im 6- bis 7-stelligen Bereich. Verfügbar ist sie aktuelle nur für iOs Geräte.  Bereits zu Beginn mit nur 1.500 Usern wurde  Clubhouse mit ca. 100 Millionen Dollar bewertet.

Quelle: Apple App-Store

Die Psychologie der Verknappung

Das Prinzip von Clubhouse ist nicht neu. Bereits von Unternehmen wie Bestsecret kennen wir die Einladungsmechanik. Dabei können nur registrierte Nutzer andere Nutzer in den exklusiven Kreis einladen – und diese Einladungen sind zumeist auch begrenzt.

Was steckt hinter dieser Marketingstrategie?

Einen Faktor, der hier mit  reinspielt, habe ich euch bereits in anderen Beiträgen vorgestellt: Die Verknappung.

Hierbei handelt es sich eigentlich um eine POS-Maßnahme. Ihr geht in den Supermarkt und seht eine gesonderte Verkaufsfläche für beispielsweise Teelichter und auf dieser ganzen großen Fläche befinden sich nur noch ein bis zwei Packungen. Die Fläche ist gekennzeichnet mit „Sonderangebot“. Ihr denkt euch „oh, da ist ja fast nichts mehr da – schnell zugreifen bevor der Rest auch noch weg ist“. Ich garantiere euch: geht ein paar Stunden später nochmal in den Laden und ihr werdet feststellen, dass die Fläche aufgefüllt wurde.

Das Prinzip dahinter nennt sich künstliche Verknappung. Man will den Eindruck erwecken, dass schon viele Personen das Angebot wahrgenommen haben und dass der Kunde nur noch eine begrenzte Möglichkeit hat, das Produkt zum Sonderpreis zu erwerben, indem man lediglich ein paar Einheiten in die Auslage legt. Durch das Gefühl, das Angebot vielleicht später nicht mehr wahrnehmen zu können (auch, wenn wir das Produkt nicht brauchen), bringt uns oft dazu, es zu kaufen.

Genauso verhält es sich mit begrenzten Stückzahlen. Begriffe wie „limitiert“ und „exklusiv“ triggern uns und lösen das Gefühl aus, wir könnten eine Chance verpassen.

Natürlich lässt sich dies nicht 1:1 auf Online Places anwenden. Denn ein digitales Produkt wie bei Clubhouse kann in der Regel nicht vergriffen sein. Dennoch spielt hier das gleiche subjektiv erlebte Risiko, dass ich etwas nicht bekommen kann, eine wichtige Rolle. Es führt dazu, dass ich es eher will.

Übrigens: Im Social Media oder Online Bereich spricht man hier häufiger von „The Fear of Missing Out“.

Exklusivitäts-Effekt

Verstärkt wird dies noch durch die vermeintliche Exklusivität. Zum Beispiel

  • Nur Teilnahme auf Einladung
  • Nur begrenzte Einladungsmöglichkeiten
  • Nur begrenzte Plätze
  • Nur auf einer Plattform verfügbar (z.B. bei Clubhouse iOs)

Wie bereits erwähnt, triggern hier Begriffe, wie „limitiert“ und „exklusiv“.  Alles, was suggeriert, dass es nicht für die breite Masse, sondern nur ausgewählte Kunden ist, löst in uns zusätzlich ein in der Regel Dopamin-gesteuertes Gefühl von Glück und Kick aus. Der Reiz, etwas zu besitzen, was nicht jeder haben kann und der Nervenkitzel, dass ich zuschlagen muss, bevor es nicht mehr verfügbar ist.

Um es kurz zu sagen: Ich bin Mitglied eines exklusiven Clubs.

Im Falle von Clubhouse ist dies gepaart mit der richtigen Strategie, bekannten Moderatoren und Teilnehmern sowie der Luxus-affinen Zielgruppe Apple-User ein gelungener Mix und perfektes Marketing.

TikTok_Beitragsbild

TikTok TikTok… die Stunde einer neuen App hat geschlagen

Quelle: iTunes App-Store

Eine neue App erobert zurzeit die App-Stores und Smartphones unserer Jugendlichen im Sturm: TikTok

Noch nie davon gehört? Macht nichts! Nach meinem Artikel weißt du alles, was du über die App wissen musst und welche (Werbe-) Möglichkeiten es gibt, die vielleicht auch für dein Unternehmen spannend sein könnten!

 

Was ist TikTok und woher kommt die App?

TikTok ist eine Kurzvideo-App mit derzeit 500 Millionen aktiven monatlichen Nutzern und ist aktuell eine der meist heruntergeladenen Apps der Welt.

Mit der aus China stammenden App können Nutzer 15-60-sekündige Hochkant-Videos aufnehmen und diese mit Filtern, Sounds und Musikschnipseln gestalten. Das erinnert euch stark an musical.ly? Das liegt vielleicht daran, dass Bytedance, das Unternehmen hinter der App, musical.y im November 2017 für rund 800 Millionen US-Dollar übernommen hat und dabei auch maßgeblich die bei den musical.ly-Nutzern so beliebten Funktionen. Hintergrund der Übernahme war die Expansion in den westlichen Markt. TikTok hieß in China ursprünglich Douyin und galt als eine Art Snapchat-Klon. Den Anschluss an den westlichen Markt verpasste Bytedance damals als musical.ly 2016 in Europa und den USA boomte. Um die dort so wichtige Zielgruppe zu erreichen, wurde der Konkurrent deshalb kurzerhand aufgekauft und im August 2018 traten Douyin und musical.ly vereint als TikTok auf den Markt – und Bytedance Strategie ging auf.

TikTok_Top Apps by Download Q2 2018

 

Funktionen von TikTok und Unterschiede zu musical.ly und Co.

Die Handhabung der App ist extrem simpel. Wenn man sie das erste Mal öffnet, erscheint nicht etwa ein Anmelde-Screen, sondern es wird direkt Content vorgeschlagen. Wischt man nach oben, gelangt man direkt zum nächsten Video. So kann der Nutzer weiterscrollen und massenhaft neuen Content entdecken.

Möchte man selbst ein Video erstellen, geht das ganz einfach über ein Pluszeichen in der Mitte des Screens. Bevor man das Video dreht, kann man verschiedene Filter, Effekte und Hintergründe einstellen. Über „Sound auswählen“ sind zudem viele Töne und aktuelle Songs gelistet, die dem Video hinzugefügt werden können. Nach dem Dreh kann das Video sogar noch zurecht geschnitten werden. Der fertige Clip darf bis zu 5 Minuten lang sein.

Und natürlich ist es möglich, anderen Nutzern zu folgen.

TikTok_Screenshot App StoreQuelle: iTunes App-Store

 

Während musical.ly eher auf Lipsync-Karaoke fokussiert war, ist TikTok breiter aufgestellt. Die App hat zahlreiche Kategorien, wie Sport oder Comedy und spricht damit eine breitere Zielgruppe an. TikTok ist keine reine Musikvideo– und Filterplattform wie musical.ly und Snapchat, sondern ein breites Entertainment- und Themennetzwerk für eine junge Zielgruppe.

Auch was das Thema Sicherheit und Jugendschutz angeht, möchte sich TikTok von der Konkurrenz abgrenzen. Besonders junge Mädchen neigen dazu, sich in ihren Videos auch knapp bekleidet zu präsentieren. Deswegen hatte insbesondere musical.ly Probleme mit Pädophilen in ihrem Netzwerk. Bytedance hat darauf reagiert, indem sie die Privatsphäre-Einstellungen angepasst haben. Nutzer können sie so einstellen, dass ihre Videos nur für angemeldete Nutzer freigeschalten sind (ob das die Hürde für Pädophile aber ausreichend erhöht?).

Update Dezember 2022: Der VFR-Verlag für Rechtsjournlismus hat hierzu erst kürzlich ihren Ratgeber-Artikel zu diesem Thema aktualisiert. Behandelt werden dort folgende Themen:

  • FAQ: Mindestalter bei TikTok
  • TikTok: Ab welchem Alter darf die App genutzt werden?
  • Wie gefährlich ist TikTok für Kinder und Jugendliche?
  • Wie lässt sich TikTok kindersicher einstellen?

Wer sich einlesen mag, hier geht’s zum Artikel https://www.bussgeldkatalog.net/ab-wie-viel-jahren-ist-tiktok/

 

Challenges und Marketing

Um seine Nutzer bei Laune zu halten kreiert TikTok immer wieder neue Engagement-Tools und Content.

Besonders beliebt und wirkungsvoll sind die sog. „Challenges“. Wie bereits musical.ly zuvor, initiiert TikTok unter einem Hashtag bestimmte Challenges, die die User dazu animieren sollen, mitzumachen. Ganz aktuell ist die sog. #simbachallenge, bei der die User die Anfangsszene von „König der Löwen“ nachstellen, indem sie beispielsweise ihr Haustier über den Kopf halten. Über den Hashtag #simbachallenge verbreiten sie ihren Beitrag auf der Plattform.

Mit solchen Aktionen schafft es TikTok, dass über die Hälfte der monatlichen Nutzer auch täglich die App nutzen und das durchschnittlichen sogar 52 Minuten lang!

Neben User-Generated-Content wirbt die App aber auch ganz massiv auf Plattformen wie YouTube, Facebook, Instagram und Co. Auf YouTube beispielsweise lädt TikTok Werbeclips, welche in der Regel TikTok-Videos von Usern sind, auf Kanäle mit beliebig wirkendem Namen hoch, stellt sie auf „nicht gelistet“ und schaltet sie dann als Werbung. Diese Werbevideos haben meist mehrere Millionen Views, wobei der Verdacht naheliegt, dass die meisten in Anbetracht der vielen Dislikes gekauft sind. Dennoch ist dies ein Beispiel für die horrenden Media-Spendings des Unternehmens.

Das Unternehmen setzt zudem auf die bereits bewährten musical.ly Influencer. Die einstigen deutschen musical.ly-Stars Lisa und Lena sind mittlerweile zu TikTok umgezogen (ihre Plattform gibt es ja so gesehen auch nicht mehr) und sind mit knapp 32 Millionen Fans nach wie vor die erfolgreichsten westlichen Influencer bei TikTok. Sie posten ihre Videos zudem auf ihrem Instagram-Kanal (ca. 14 Mio. Follower) und ziehen somit immer mehr neue Nutzer in die TikTok-App.

 

Wie werben andere auf TikTok?

Werbung auf TikTok läuft meist über die bereits erwähnten Challenges. Unternehmen rufen unter einem Hashtag ihre eigenen Challenges ins Leben und animieren User so zur Interkation mit ihrer Marke. Jüngst hat die US-Marke Guess die Kampagne #InMyDenim gestartet. Nutzer sollen sich hier in ihren Jeans filmen und das Video auf die Plattform laden. Zahlen zu dieser Kampagnen sind mir bisher nicht bekannt.

Eine andere Challenge beweist allerdings, dass das Konzept aufgeht: derzeit läuft eine gesponserte Challenge zum Film „Bohemian Rhapsody“. Unter #WeWillRockYou präsentieren TikTok-Nutzer ihre besten Performances zum gleichnamigen Song. Laut TikTok wurden bisher knapp 36 Millionen Clips mit dem Hashtag versehen.

 

Fazit

„TikTok  – make every second count“ – das ist das Credo der neuen Super-App und es scheint auch bei den Nutzern Programm zu sein. Meine klare Empfehlung: wollt ihr eine junge Zielgruppe (12 bis teils sogar 20 Jahre) erreichen, dann dürft ihr diese App nicht ignorieren. Mit einer Bewertung von 75 Milliarden US-Dollar gilt das Unternehmen als aktuell wertvollstes Startup der Welt – und das noch vor Uber!

Trommelt eure Kreativ-Köpfe zusammen und überlegt, wie eure Challenge aussehen könnte. Was passt zu eurer Marke? Wie können die User damit interagieren?

Wie immer heißt es im Marketing „Trial & Error“ – herausfinden was für euch funktioniert und was nicht. Aber es wäre fahrlässig, TikTok wegen potentieller Errors nicht wenigstens einmal zu testen.

Und seid vorsichtig mit Aussagen wie „die App gibt es doch in 2 Jahren eh nicht mehr“. Mag sein. musical.ly wurde am Anfang auch belächelt und ja die App, gibt es so gesehen nicht mehr, aber man sollte ein Plattform nutzen, so lange sie heiß ist und nicht auf die nächste Social Media Oma à la Facebook warten, in der Hoffnung, dass es eine Plattform schafft sich über Jahrzehnte zu halten – dafür ist unsere Branche einfach zu schnelllebig. Also hype the hype, denn tiktok…. 😉