Coke vs. Pepsi – die Markenchallenge

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Team Coke oder Team Pepsi – wo spielst du?

Diese Frage habe ich kürzlich meinen Studenten der Konsumentenpsychologie an der Hochschule für angewandtes Management gestellt und mit ihnen den Urtest aller Markentests gemacht: Coke vs. Pepsi 

 

Worum geht es im Cola-Pepsi-Test?

Das Unternehmen Pepsi stellte Mitte der 70er Jahre fest, dass ihr Produkt im Blindtest gegenüber dem großen Konkurrenten Coca-Cola bevorzugt wurde. In einer Blindverkostung ließen sie die Testpersonen je einmal ihr eigenes Produkt probieren und  das der Konkurrenz und die Mehrheit sprach sich unwissentlich für Pepsi aus. Diese Untersuchung wurde daraufhin als die „Pepsi Challenge“ bekannt und diente dem Unternehmen lange zu Werbezwecken.[1] Was in den 70er Jahren durch einen einfachen Blindtest herausgefunden wurde, konnte 2003 von Samuel McClure und seinen Kollegen vom Baylor College of Medicine in Houston durch eine Neudurchführung des Blindtests, bei der gleichzeitig die Hirnaktivität der Testpersonen mit Hilfe eines Kernspintomographen aufgezeichnet wurde, bestätigt werden. Allerdings änderten genau diese modernen neuronalen Erkenntnisse den Markenkampf zugunsten von Coca-Cola. Auf den Aufzeichnungen des Apparats konnte man sehen, dass bei dem Genuss von Pepsi das Belohnungszentrum im Gehirn fünfmal stärker aktiviert wurde, als bei Coca-Cola.[2]  51 % der Testpersonen gaben genauso wie dreißig Jahre zuvor an, Pepsi würde ihnen besser schmecken. Als man den Probanden in einem zweiten Versuch vor dem Probieren den Markennamen verriet, entschieden sich 65 % für Coca-Cola.[3]

[1] Vgl. Schmeh [2008], o.S.

[2] Vgl. Felix [2008], S. 74.

[3] Vgl. Häusel [2012], S. 185.

 

Warum beurteilen wir so wie wir es tun?

Die Erwähnung der Marke aktivierte neben dem Belohnungszentrum auch Areale des Großhirns, welche unter anderem eine Rolle für das Selbstbild von Personen spielt. Sie sind auch für die Integration von Emotionen in den Entscheidungsprozess verantwortlich. Die Erwähnung der Marke Coca-Cola löste also beim Konsumenten Emotionen aus, was sich wiederum positiv auf seine Produktwahl auswirkte.[1] Dieser Erfolg lässt sich unter anderem auf das multisensorische Erleben der Marke zurückführen. Coca-Cola ist auf Grund seines rot-weißen Logos, welches nicht nur auf dem Produkt selbst, sondern auf Werbeartikeln und in TV-Spots, sowie Plakaten zu sehen ist, bekannt für sein Corporate Design. Der einprägsame Jugendstil-Schriftzug in der zur damaligen Zeit beliebten Spencer-Schrift in den Signalfarben Rot und Weiß steht bis heute für das Produktversprechen von Qualität, Genuss und Erfrischung. Menschen weltweit assoziieren das Unternehmen deswegen mit der Farbe Rot.[2]

Auch was das „Audio Branding“ angeht, gehört Coca-Cola zu den Erfolgreichsten. Seit 2001 bringt das Unternehmen jährlich zur Weihnachtszeit einen Werbespot mit immer dem gleichen Hintergrundlied heraus. Seitdem denken viele Konsumenten beim Hören von Melanie Thorntons „Holidays are coming“  an das Getränk. Gleiches gilt für K’naans „Wavin‘ Flag““ zur Fußball Weltmeisterschaft 2010.[3] Dazu kommt das charakteristische Geräusch des Zischens beim Öffnen der Dose bzw. der Flasche, welches nicht nur in der Fernsehwerbung, sondern auch im Radio zu den wichtigsten Merkmalen gehört. Das Produkt lässt sich allerdings nicht nur visuell und akustisch erleben, sondern auch haptisch. Seit 1916 hat das Getränk seine typische, patentrechtlich geschützte Flaschenform.[4]

[1] Vgl. Felix [2008], S. 74 f.

[2] Vgl. Coca-Cola Deutschland [2009], S. 1 f.

[3] Vgl. Researchers-Club [2012], o.S.

[4] Vgl. Coca-Cola GmbH [2011], S. 3.

Pepsi-Challenge

Quelle: DeChernatony/McDonald (2003), S. 14f.; Foscht/Swoboda (2011), S. 108

 

Letztendlich ist Coca-Cola ein Paradebeispiel für Emotionale Konditionierung durch multisensorisches Marketing.

 

Doch wie ging der Test bei meinen Studenten aus?

Zu Stichprobe: am Experiment nahmen 7 Personen, alle weiblich teil, durchschnittalter Anfang/ Mitte 20. Allen Probanden war der Test auf Grund ihres Studiums bereits bekannt. Ich der nachfolgenden Tabelle kann man entnehmen, wie der Blindtest und der nachfolgende „offene“ Test ausgefallen sind:

Coke vs Pepsi

 

Bereits im Blindtest gaben mehr Personen an, ihnen würde Cola besser schmecken als Pepsi. Auch später im offenen Test schneidet Cola (ganz gemäß den Erwartungen der beiden Studien) besser ab. Erstaunlich ist jedoch, das Ergebnis der Einschätzung. Ich habe meine Studenten nach dem Test gefragt, was sie denken, was sie im Blindtest konsumiert haben. Hier hat zwei Proganden jeweils im Blind und im offenen Test das gleiche Produkt besser geschmeckt, aber sie haben jeweils gedacht, sie hätten das andere getrunken.

Insgesamt ist mein Experiment natürlich nicht aussagekräftig, aber es gibt trotzdem interessante Aufschlüsse über Markenwahrnehmung. Dies zeigt insbesondere nochmal das assoziative Netzwerk, das die Studenten anlegen sollten. Die Studenten, die Pepsi präferierten, legte es für Pepsi und die für Cola für Cola an:

Titel Netzwerk Pepsi-Coke Bes

Fazit

Der Test ist, wie gesagt, nicht repräsentativ, aber zeigt eine deutliche Verteilung und zumindest eine Tendenz angelehnt an die ursprünglichen Experimente. Ein wesentlicher Faktor für das Ergebnis könnte in der Marken- und Werbepräsenz von Cola liegen, die in Augen der Probanden deutlich stärker ist als die von Pepsi. Dies zeigen auch die assoziativen Netzwerke.

Auch der Halo-Effekt spielt hier sicherlich (wie bei den ursprünglichen Experimenten mit hinein). Dieser besagt, dass das Gesamtbild einer Marke (Image) die Wahrnehmung einzelner Eigenschaften der Marke beeinflusst.

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass Coca-Cola beweist, wie stark emotionales Marketing in Verbind8ung mit Multisensorik sein kann.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

TikTok_Beitragsbild

TikTok TikTok… die Stunde einer neuen App hat geschlagen

Quelle: iTunes App-Store

Eine neue App erobert zurzeit die App-Stores und Smartphones unserer Jugendlichen im Sturm: TikTok

Noch nie davon gehört? Macht nichts! Nach meinem Artikel weißt du alles, was du über die App wissen musst und welche (Werbe-) Möglichkeiten es gibt, die vielleicht auch für dein Unternehmen spannend sein könnten!

 

Was ist TikTok und woher kommt die App?

TikTok ist eine Kurzvideo-App mit derzeit 500 Millionen aktiven monatlichen Nutzern und ist aktuell eine der meist heruntergeladenen Apps der Welt.

Mit der aus China stammenden App können Nutzer 15-60-sekündige Hochkant-Videos aufnehmen und diese mit Filtern, Sounds und Musikschnipseln gestalten. Das erinnert euch stark an musical.ly? Das liegt vielleicht daran, dass Bytedance, das Unternehmen hinter der App, musical.y im November 2017 für rund 800 Millionen US-Dollar übernommen hat und dabei auch maßgeblich die bei den musical.ly-Nutzern so beliebten Funktionen. Hintergrund der Übernahme war die Expansion in den westlichen Markt. TikTok hieß in China ursprünglich Douyin und galt als eine Art Snapchat-Klon. Den Anschluss an den westlichen Markt verpasste Bytedance damals als musical.ly 2016 in Europa und den USA boomte. Um die dort so wichtige Zielgruppe zu erreichen, wurde der Konkurrent deshalb kurzerhand aufgekauft und im August 2018 traten Douyin und musical.ly vereint als TikTok auf den Markt – und Bytedance Strategie ging auf.

TikTok_Top Apps by Download Q2 2018

 

Funktionen von TikTok und Unterschiede zu musical.ly und Co.

Die Handhabung der App ist extrem simpel. Wenn man sie das erste Mal öffnet, erscheint nicht etwa ein Anmelde-Screen, sondern es wird direkt Content vorgeschlagen. Wischt man nach oben, gelangt man direkt zum nächsten Video. So kann der Nutzer weiterscrollen und massenhaft neuen Content entdecken.

Möchte man selbst ein Video erstellen, geht das ganz einfach über ein Pluszeichen in der Mitte des Screens. Bevor man das Video dreht, kann man verschiedene Filter, Effekte und Hintergründe einstellen. Über „Sound auswählen“ sind zudem viele Töne und aktuelle Songs gelistet, die dem Video hinzugefügt werden können. Nach dem Dreh kann das Video sogar noch zurecht geschnitten werden. Der fertige Clip darf bis zu 5 Minuten lang sein.

Und natürlich ist es möglich, anderen Nutzern zu folgen.

TikTok_Screenshot App StoreQuelle: iTunes App-Store

 

Während musical.ly eher auf Lipsync-Karaoke fokussiert war, ist TikTok breiter aufgestellt. Die App hat zahlreiche Kategorien, wie Sport oder Comedy und spricht damit eine breitere Zielgruppe an. TikTok ist keine reine Musikvideo– und Filterplattform wie musical.ly und Snapchat, sondern ein breites Entertainment- und Themennetzwerk für eine junge Zielgruppe.

Auch was das Thema Sicherheit und Jugendschutz angeht, möchte sich TikTok von der Konkurrenz abgrenzen. Besonders junge Mädchen neigen dazu, sich in ihren Videos auch knapp bekleidet zu präsentieren. Deswegen hatte insbesondere musical.ly Probleme mit Pädophilen in ihrem Netzwerk. Bytedance hat darauf reagiert, indem sie die Privatsphäre-Einstellungen angepasst haben. Nutzer können sie so einstellen, dass ihre Videos nur für angemeldete Nutzer freigeschalten sind (ob das die Hürde für Pädophile aber ausreichend erhöht?).

Update Dezember 2022: Der VFR-Verlag für Rechtsjournlismus hat hierzu erst kürzlich ihren Ratgeber-Artikel zu diesem Thema aktualisiert. Behandelt werden dort folgende Themen:

  • FAQ: Mindestalter bei TikTok
  • TikTok: Ab welchem Alter darf die App genutzt werden?
  • Wie gefährlich ist TikTok für Kinder und Jugendliche?
  • Wie lässt sich TikTok kindersicher einstellen?

Wer sich einlesen mag, hier geht’s zum Artikel https://www.bussgeldkatalog.net/ab-wie-viel-jahren-ist-tiktok/

 

Challenges und Marketing

Um seine Nutzer bei Laune zu halten kreiert TikTok immer wieder neue Engagement-Tools und Content.

Besonders beliebt und wirkungsvoll sind die sog. „Challenges“. Wie bereits musical.ly zuvor, initiiert TikTok unter einem Hashtag bestimmte Challenges, die die User dazu animieren sollen, mitzumachen. Ganz aktuell ist die sog. #simbachallenge, bei der die User die Anfangsszene von „König der Löwen“ nachstellen, indem sie beispielsweise ihr Haustier über den Kopf halten. Über den Hashtag #simbachallenge verbreiten sie ihren Beitrag auf der Plattform.

Mit solchen Aktionen schafft es TikTok, dass über die Hälfte der monatlichen Nutzer auch täglich die App nutzen und das durchschnittlichen sogar 52 Minuten lang!

Neben User-Generated-Content wirbt die App aber auch ganz massiv auf Plattformen wie YouTube, Facebook, Instagram und Co. Auf YouTube beispielsweise lädt TikTok Werbeclips, welche in der Regel TikTok-Videos von Usern sind, auf Kanäle mit beliebig wirkendem Namen hoch, stellt sie auf „nicht gelistet“ und schaltet sie dann als Werbung. Diese Werbevideos haben meist mehrere Millionen Views, wobei der Verdacht naheliegt, dass die meisten in Anbetracht der vielen Dislikes gekauft sind. Dennoch ist dies ein Beispiel für die horrenden Media-Spendings des Unternehmens.

Das Unternehmen setzt zudem auf die bereits bewährten musical.ly Influencer. Die einstigen deutschen musical.ly-Stars Lisa und Lena sind mittlerweile zu TikTok umgezogen (ihre Plattform gibt es ja so gesehen auch nicht mehr) und sind mit knapp 32 Millionen Fans nach wie vor die erfolgreichsten westlichen Influencer bei TikTok. Sie posten ihre Videos zudem auf ihrem Instagram-Kanal (ca. 14 Mio. Follower) und ziehen somit immer mehr neue Nutzer in die TikTok-App.

 

Wie werben andere auf TikTok?

Werbung auf TikTok läuft meist über die bereits erwähnten Challenges. Unternehmen rufen unter einem Hashtag ihre eigenen Challenges ins Leben und animieren User so zur Interkation mit ihrer Marke. Jüngst hat die US-Marke Guess die Kampagne #InMyDenim gestartet. Nutzer sollen sich hier in ihren Jeans filmen und das Video auf die Plattform laden. Zahlen zu dieser Kampagnen sind mir bisher nicht bekannt.

Eine andere Challenge beweist allerdings, dass das Konzept aufgeht: derzeit läuft eine gesponserte Challenge zum Film „Bohemian Rhapsody“. Unter #WeWillRockYou präsentieren TikTok-Nutzer ihre besten Performances zum gleichnamigen Song. Laut TikTok wurden bisher knapp 36 Millionen Clips mit dem Hashtag versehen.

 

Fazit

„TikTok  – make every second count“ – das ist das Credo der neuen Super-App und es scheint auch bei den Nutzern Programm zu sein. Meine klare Empfehlung: wollt ihr eine junge Zielgruppe (12 bis teils sogar 20 Jahre) erreichen, dann dürft ihr diese App nicht ignorieren. Mit einer Bewertung von 75 Milliarden US-Dollar gilt das Unternehmen als aktuell wertvollstes Startup der Welt – und das noch vor Uber!

Trommelt eure Kreativ-Köpfe zusammen und überlegt, wie eure Challenge aussehen könnte. Was passt zu eurer Marke? Wie können die User damit interagieren?

Wie immer heißt es im Marketing „Trial & Error“ – herausfinden was für euch funktioniert und was nicht. Aber es wäre fahrlässig, TikTok wegen potentieller Errors nicht wenigstens einmal zu testen.

Und seid vorsichtig mit Aussagen wie „die App gibt es doch in 2 Jahren eh nicht mehr“. Mag sein. musical.ly wurde am Anfang auch belächelt und ja die App, gibt es so gesehen nicht mehr, aber man sollte ein Plattform nutzen, so lange sie heiß ist und nicht auf die nächste Social Media Oma à la Facebook warten, in der Hoffnung, dass es eine Plattform schafft sich über Jahrzehnte zu halten – dafür ist unsere Branche einfach zu schnelllebig. Also hype the hype, denn tiktok…. 😉